Gruppentreffen intersexueller/intergelechtlicher Menschen/ Pressemitteilung

„Du ... bist du auch intersexuell?“


Es gab kein Ausweichen, als die achtjährige intersexuelle – zu deutsch: zwischengeschlechtliche – Rosa die Teilnehmer des Jahrestreffens der XY-Frauen in Bad Orb der Reihe nach befragte. Von über 80 Teilnehmern waren 55 intergeschlechtliche Menschen, die z. T. ihre PartnerInnen und Eltern mitgebracht hatten. Das ist eine stolze Zahl angesichts der Tatsache, dass vor kaum zehn Jahren noch intersexuelle Menschen angehalten wurden, über sich besser zu schweigen, sich zu verstecken. Nicht wenige von ihnen wurden im unmündigen Alter dem männlichen oder weiblichen Geschlecht zugewiesen und – oft mehrfach – operiert, nur um der bipolaren Geschlechternorm zu entsprechen.

Das änderte sich mit der Verbreitung der Internettechnologie. Betroffene fanden zueinander und entdeckten, dass sie mit ihrem Schicksal nicht allein auf der Welt sind. Dass es vielen anderen gleich erging und ergeht. Dessen ungeachtet ist es in der Öffentlichkeit nach wie vor weitestgehend unbekannt, dass auf etwa 2000 Geburten ein zwischengeschlechtlicher Mensch geboren wird und viele sich von Ärzten und der Gesellschaft „wie vergewaltigt“ fühlen …

1992 kam es zum ersten Treffen der XY-Frauen, also jenen, die äußerlich wie Frauen aussehen, aber männliche Chromosomen haben. Im Vordergrund der Selbsthilfearbeit stehen der Gedankenaustausch und die gemeinsame Aufarbeitung von Traumata, wie sie Operationen und andere schockartige Erlebnisse bei den zwischengeschlechtlichen Menschen hinterlassen haben.
Sehr häufig wurden die Eingriffe in die Geschlechtlichkeit in unmündigem Alter vorgenommen. „Wir streiten das handwerkliche Können der Ärzte keineswegs ab“, meint Lucie, die Organisatorin der diesjährigen Tagung bei Frankfurt, „aber wir sind entschieden dagegen, dass Ärzte und Eltern über unser Geschlecht bestimmen und sich keinen Deut darum kümmern, wie wir mit solchen Manipulationen zurechtkommen. Wir wollen selber entscheiden, ob und wann etwas an unseren Körpern geändert, ob, wie und woran es angepasst werden soll.“
Und Lucie ergänzt: „Zwischengeschlechtliche Menschen sind keine Vollidioten, man kann uns durchaus beraten, wir verstehen das. Warum macht man es nicht? Manchmal wissen jene, die es erklären müssten, weniger als wir. Das Elend der Fehlbehandlung bleibt aber letzten Endes an uns hängen.“

Das Vermeiden von Operationen an Kindern – in vielen Fällen bald nach der Geburt – dominierte die Thematik der Veranstaltung in Bad Orb. Zugegen waren nicht nur erwachsene Betroffene, zwischengeschlechtliche Kinder und deren Eltern, sondern auch Ärzte und Psychologen. Als absolute Neuerung wurde eine Jugendgruppe zwischengeschlechtlicher Menschen gegründet. Deren jüngstes Mitglied zählt gerade einmal acht Jahre, das älteste 23. Geleitet wurde diese Gruppe von der erfahrenen Psychologin Lisa Brinkmann aus der Hamburger Forschergruppe Intersex des Instituts für Sexualforschung.

Um auf breiterer Ebene handlungsfähig zu werden, ohne den intimen Schutzraum der Selbsthilfegruppe zu zerstören, haben die XY-Frauen den eingetragenen Verein Intersexuelle Menschen e. V. gegründet (mehr Info unter http://www.intersexuelle-menschen.net). Damit ist der Kreis für alle zwischengeschlechtlichen Menschen und deren Angehörige, für Ärzte und Psychologen, aber auch für Politiker, Rechtsanwälte und die Medien weit geöffnet worden.

Noch einmal ein Zitat von Lucie: „Zwischengeschlechtliche Menschen haben viele schöne Talente. Manche singen wunderbar, spielen Instrumente, machen Theater, schreiben wunderbare Texte oder malen, treiben Geschäfte. Viele sind körperlich stark und echte Sportskanonen, andere forschen und lehren. Trotzdem führen viele Zwischengeschlechtliche ein zurückgezogenes Leben, um niemandem zur Last zu fallen. Ich wünschte, dass Eltern und Betreuer zukünftig das Potenzial zwischengeschlechtlicher Kinder in den Vordergrund stellen würden – und nicht nur deren ‚Disorder’.“


Kontakt : info@xy-frauen.de http://www.xy-frauen.de

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